Sonntag, 16. Dezember 2012

Blutdruck + Messung

Blutdruck

Blutdruck ist die Kraft, die das Blut auf die Gefäßwand der Arterien und Venen ausübt, gemessen in mmHg, maschinell auch in kPa (1kPa = 7.5 mmHg). Im medizinischen Sprachgebrauch ist mit Blutdruck immer der Druck in den größeren Arterien gemeint.

  • Systolischer Druck: maximaler Druck im Gefäß (Spitzendruck ), entsteht während der Kammersystole (Anspannungszeit und kurz danach in der Austreibungszeit des Herzens)
  • Diastolischer Druck: der (niedere Wert = ) mindeste Druck im Gefäß während der Kammerdiastole (Erschlaffungszeit und Auffüllzeit des Herzens); wird auch in der Zeit zwischen 2 Herzschlägen nicht unterschritten und ist ein Maß für die Dauerbelastung der Gefäßwände
  • Mitteldruck: mittlerer Druck zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck, entspricht nicht exakt dem arithmetischen Mittel (MAD oder MAP [mean arterial pressure]; er liegt zwischen dem systolischen und diastolischen Druck (BDm = [BDs– BDd] / 3 + BDd) und wird bei der direkten Messung automatisch berechnet und gilt in der Intensivmedizin als zuverlässige Größe für die Organdurchblutung)
  • Amplitude: (auch "Pulsdruck", engl. "pulse pressure";) Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck

Normalwerte


Je nach Belastungen, Tagesrhythmus und Lebensalter variieren die Normalwerte:

  • bei Frühgeborenen 1000g-2000g: 45-50 mmHg (systolischer Wert)
  • beim Neugeborenen über 2000g: 70-80 mmHg (systolischer Wert)
  • beim Säugling: etwa 75-85 mmHg (systolischer Wert)
  • bei Kleinkindern: etwa 95/60 mmHg
  • Schulkinder 6-9 Jahre: etwa 100/60 mmHg
  • Schulkinder 9-12 Jahre: etwa 110/70 mmHg
  • Jugendliche / Erwachsene: etwa 120/80 mmHg
  • Ältere Menschen: etwa 140/90 mmHg

Blutdruck-Messung

Die Messung des Blutdrucks erfolgt in der Regel immer am gleichen Arm und in der gleichen Position (liegend, sitzend, stehend) und möglichst zur gleichen Tageszeit, um einen Vergleich zu ermöglichen. Der Blutdruck ist in der Regel an beiden Armen fast gleich. Die Ansicht, der Blutdruck sei am linken Arm höher, weildieser näher am Herzen sei, ist anatomisch falsch. Signifikante Unterschiede zwischen den Armen ergeben sich meist aus anatomischen oder pathologischen Besonderheiten.

Die Messung (allgemeines):
  • muss stets unter den gleichen Bedingungen erfolgen
  • in Ruhe
  • immer im Liegen, Sitzen od. Stehen
  • immer am gleichen Arm
Kontraindikationen:
  • bei Lymphödem
  • bei Parese/Plegie
  • bei venösen oder arteriellen Gefäßzugängen 
  • bei einem Dialyse-Shunt
  • nach Ablatio Mammae

Durchführung

Direkte Messung

Material
  • geeignete Manschette mit passender Breite mit Verschluss und kleinem Ballon mit Ventil
  • Messeinheit mit Manometer
  • Stethoskop mit Flachmembran

Vorgehen
  • Ruhepausen von 15 min vor Messung
  • Beengte Kleidung vom Arm entfernen
  • Manschette luftleer und straff am Arm anlegen, ableitende Schläuche nicht in die Ellenbeuge
  • Ventil schließen
  • Membran in der Ellenbeuge auflegen ( A. cubitalis ), dabei Puls der A. radialis fühlen
  • Manschette füllen bis kein Puls mehr tastbar und keine Geräusche hörbar
  • Manschettendruck um ca. 30 mmHg erhöhen
  • Ventil öffnen, Luft langsam entweichen lassen
  • Auf pulssynchrone Strömungsgeräusche = Korotkow Töne achten
  • Druckwert am Manometer ablesen, sobald erster Ton hörbar
  • Manschette weiter langsam leeren und beim letzten Ton den diast. Druck ablesen ( oder wenn Gräusche deutlich leiser werden )
  • Restluft ablassen, Manschette entfernen

Direkte Messung


Die invasive Blutdruckmessung, auch "blutige" Messung genannt, ist die direkte
Blutdruckmessung über einen in einer Arterie liegenden Katheter.
Die Vorteile der direkten Messung sind unter anderem:

  • eine kontinuierliche Messung (fortlaufend)
  • frühzeitiges Erkennen von Blutdruckschwankungen (auch über einen Alarm)
  • zusätzlich die Möglichkeit der arteriellen Blutentnahme für BGA


Über einen Transducer wird die über eine Wassersäule weitergeleitete Pulswelle in ein elektrisches Signal umgewandelt, das dann z. B. auf einem Monitor abzulesen ist.

Die häufigste Einführungs- oder Punktionsstelle, auch Insertionsstelle, für eine "Arterie" (so wird der Katheter oft im Fachjargon genannt) ist die Radialis, seltener die arteria ulnaris. In der Regel wird der Katheter durch die Seldinger-Technik gelegt.



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